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Was ist ...

...ein Gen

Ein Gen ist das Material (nämlich DNS), das die genetische Information für ein besonderes Merkmal oder für eine besondere Lebens-Funktion darstellt. Es sitzt auf einer ganz bestimmten Stelle des Chromosoms.



...ein Chromosom

Einheiten (sehen aus wie kleine Fäden) der DNS im Zellkern. Chromosomen enthalten alle genetische Informationen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und letztlich die Tierart, die Unterart oder gar die Rasse ausmachen. Im Tier selbst ist immer ein doppelter (oder diploider) Chromosomensatz in den Zellkernen vorhanden (nämlich jeweils ein Chromosom, das ursprünglich vom Vater stammt und eins, das ursprünglich von der Mutter stammt).



Der Hund besitzt 78 Chromosomen, also 39 Chromosomenpaare.Darauf sind die Informationen für den ganzen Hund gespeichert.
Bei der Fortpflanzung wird dann aber nur ein halber (oder haploider) Chromosomensatz an das Jungtier weitergegeben, der sich dann aber wieder mit dem halben Chromosomensatz des anderen Elternteils zu einem doppelten Chromosomensatz zusammenfügt.

...DNS oder DNA

Desoxyribonucleinsäure. Diese chemische Verbindung bildet den genetische Code.

...ein Allel

Allele nennt man immer die beiden Gene, die jeweils für ein bestimmtes Merkmal zuständig sind (zum Beispiel „Fellfarbe“). Eins davon stammt vom Vater, das andere von der Mutter. Also sitzt das eine auch auf dem Chromosom, das man von seinem Vater geerbt hat, und das andere auf dem Chromosom, das man von seiner Mutter geerbt hat. Sie sitzen auf diesen Chromosomen immer an genau der gleichen Position (die heisst auch Genort oder Locus).



Von diesen beiden Genen wird eigentlich grundsätzlich nur eins aktiv, nämlich das dominante. Das andere, also das rezessive Gen, kann zwar weitervererbt werden, tritt aber bei dem Tier selbst nicht in Erscheinung. Schriftlich drückt man das oft so aus: „Aa“ („A“ für das dominante Merkmal und „a“ für das rezessive Merkmal).
Wenn beide Eltern genau die gleiche Eigenschaft für ein bestimmtes Merkmal (z.B. Fellfarbe) an das Tier weitervererbt haben, sind die Allele gleich, man schreibt dann: AA oder auch aa für dieses besondere Merkmal.

...dominant

Das eine von den beiden Allelen, das sich durchsetzen kann und sich im Gegensatz zu dem rezessiven Allel alleine ausprägt.

...rezessiv

Das eine von den beiden Allelen, das sich nicht durchsetzen kann und im Gegensatz zu dem dominanten Allel nicht zur Ausprägung kommt.

Wenn der Hund allerdings sowohl vom Vater als auch von der Mutter ein rezessives Gen für ein bestimmtes Merkmal erhalten hat (also „aa“), dann tritt natürlich genau dieses Merkmal auch in Erscheinung.
Hat er zum Beispiel vom Vater das rezessive Gen „langes Fell“ und auch von der Mutter das rezessive Gen „langes Fell“ geerbt, dann wird er ein langes Fell haben, auch wenn seine beiden Eltern kurzes Fell tragen!!



...Heterozygotie

Besetzung eines Genortes oder mehrerer Genorte mit unterschiedlichen Allelen (das ist nichts anderes als „Aa“ oder „mischerbig“).

...Homozygotie

Das ist der Gegensatz zur Heterozygotie. Es bedeutet die Besetzung eines Genortes oder mehrerer Genorte mit gleichen Allelen (das ist nicht anderes als „AA“ oder „reinerbig“).

...Fixierung eines Allels

Obwohl es beispielsweise einmal mehrere Möglichkeiten für ein bestimmtes Merkmal gegeben hat (z.B. beiges, braunes oder schwarzes Fell), hat sich durch Zucht eine dieser Möglichkeiten durchgesetzt (z.B. schwarzes Fell). Die anderen Möglichkeiten kommen nicht mehr vor (es werden keine beigen und braunen Welpen mehr geboren). Also gibt es jetzt nur mehr dieses Allel (für „schwarzes Fell“) in der Population am selben Genort. Das Allel ist nun "fixiert".

... der Genotyp

Das ist alles, was das Tier genetisch gesehen in sich trägt. Also auch die Eigenschaften, die man zwar an ihm nicht erkennen kann, die aber (ressesiv) doch in ihm vorhanden sind und also (ganz wichtig!!) auch von ihm unter bestimmten Umständen an die Nachfolgegeneration weitergegeben werden können.
Man benutzt auch oft den Ausdruck „genotypisch“.



...der Phänotyp

Das ist alles, was das einzelne Tier ausmacht. Also einerseits die Eigenschaften, die es von seinen Eltern vererbt bekommen hat plus noch andererseits alles, was es in seinem eigenen Leben durch die Umwelt (alle Einflüsse wie Erziehung, Sozialisierung, Klima, Krankheiten, Behandlung, Kontakte, Erfahrungen etc.) erworben hat.
Der Phänotyp setzt sich also immer aus Genotyp und Umwelt zusammen.
Man benutzt auch oft den Ausdruck „phänotypisch“.

...die Heritabilität

Das ist die Vererblichkeit eines bestimmten Merkmals. Sie sagt etwas aus über die Beeinflussbarkeit des Phänotyps durch den Genotyp. Also "wie viel von diesem Merkmal ist genetisch bedingt und wieviel ist durch die äusserem Umstände entstanden?" Die Heritabilität kann von 0 bis 100 Prozent variieren. Kaum eine Eigenschaft ist zu 100 Prozent erblich. In der letzten Zeit wird viel über die Heretabilität von HD (Hüftdysplasie) diskutiert. Macht es wirklich Sinn den Hund seine ersten 15 Monate lang in den Autokofferraum zu heben und auf Treppen zu tragen........ oder kommt HD alleine aus der Familie, ist also nur eine rein vererbliche Krankheit?? Die Antwort lautet: "Ja, es macht Sinn den Hund stark zu schonen, denn HD hat nur eine Heritabilität von 20-40% (rassenunterschiedlich), der Rest entsteht durch die Behandlung und das Verhalten des einzelnen Hundes.

...eine Population

Wenn man von der Zuchtpopulation spricht, ist immer eine bestimmte Gruppe Tiere gemeint, die sich untereinander sexuell vermehren. Man könnte also "Zuchtpopulation der Entlebucher" sagen und damit alle im Moment in der Zucht stehenden Tiere anzeigen.



...monogen

Eine Eigenschaft wird nur durch ein einziges Gen bestimmt.

...polygen

Eine Eigenschaft wird durch mehr als ein Gen bedingt; zum Beispiel Hüftdysplasie und gewisse Augenlid-Anomalien (Entropium), aber auch die Grösse, das Gewicht, Wesenseigenschaften, Haarkleid und Haarfarbe sind polygene Merkmale des Hundes.

Inzucht

Der Entlebucher Sennenhund, sowie wir ihn heute kennen, stammt von einer relativ begrenzten Zahl Ausgangstieren ab. Das ist in anderen Rassen nicht anders, denn um überhaupt erst einmal bestimmte Merkmale und Eigenschaften zu fixieren, also um eine Rasse zu schaffen, muss man Tiere, die diesen Vorstellungen entsprechen untereinander kreuzen. Und das sind anfangs natürlich nicht viele Tiere. Durch deren Nachkommen und vielleicht sogar durch gezielte Rückkreuzungen und weitere Einkreuzungen wird so im Laufe der Zeit eine Gruppe Hunde aufgebaut, die wir dann als Rasse bezeichnen.

Natürlich gehen alle Hunde dieser Gruppe auf die gleichen Ahnen zurück, sie sind also zwangsläufig miteinander verwandt. Im Idealfall liegen die gemeinsamen Ahnen aber weit zurück und diese Urverwandtschaft aller Tiere ist rechnerisch kaum noch zu erfassen. Man nennt sie auch die durchschnittliche Verwandtschaft aller existierenden Hunde einer bestimmten Rasse untereinander.



Die Frage hier ist aber: „Was ist eigentlich Inzucht?“.

Inzucht ist, wenn die Verwandtschaft zwischen zwei Tieren grösser ist, als diese „durchschnittliche Verwandtschaft“ aller Tiere in der Rasse.

Happys Inzuchtkoeffizient ist 5,47 %, das bedeutet also, dass ihre Eltern um 5,47% enger miteinander verwandt sind, als das allgemein bei den existierenden Entlebucher Sennenhunden der Fall ist.

Man kann Inzucht aber auch anders darstellen. Wir haben ja gesehen, dass jedes Tier immer ein Gen von seiner Mutter und ein entsprechendes Gen von seinem Vater für ein bestimmtes Merkmal erhält. Wenn sie unterschiedlich sind bezeichnet man die beiden dann zum Beispiel mit „A“ und „a“, wobei „A“ dann für das dominante Gen steht und „a“ für das rezessive Gen.



Sind die Eltern aber miteinander verwandt, dann steigt die Chance, dass diese 2 Gene gleich sind, ja sogar von genau dem gleichen Vorfahren stammen! Wenn es ein dominantes Gen ist, schreibt man dann „AA“, ein rezessives wird mit „aa“ bezeichnet. Und das Phänomen zwei gleiche Gene auf einem Genort vorzufinden, nennt man Homozygotie.
Deshalb sagt man auch von der Inzucht, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der einzelne Gene auf dem gleichen Genort (Allele) gleich sind, erhöht wird. Jede Inzucht verstärkt also die Homozygotie, und dadurch wird die Vielfalt dessen, was der einzelne Hund vererben kann, eingeschränkt - im Positiven wie im Negativen.


Bei einem gesunden Rassetier werden schon sehr viele Merkmale homozygot (also AA oder aa) sein, denn die typischen Rassenmerkmale werden ja tatsächlich von einer Generation an die nächste weitergegeben. Deshalb sehen Entlebucherwelpen ja auch aus wie Entlebucherwelpen.



Aber noch viel, viel mehr Merkmale sind heterozygot (also Aa), was uns die schönen und gewünschten Nuancen in der Zucht beschert und uns auch vor Erb-Krankheiten bewahrt. Man darf nicht vergessen, dass der Hund über 100 000 verschiedene Erbinformationen hat, da fallen letztendlich die, die wir für die Rassenausprägung beobachten gar nicht so ins Gewicht!
Bei allen anderen ist es natürlich sehr wichtig, dass möglichst viele unterschiedlich, also heterozygot sind, weil das Tier dann im wahrsten Sinne des Wortes reicher ist, reicher an Genen, reicher an Möglichkeiten, und vor allem reicher an Abwehrmöglichkeiten für Krankheiten und anderen negativen Einflüssen!

Abschliessend können wir also festhalten, dass Inzucht zum Schaffen einer Hunderasse normal und notwendig ist, dass sie aber die Gefahr der genetischen Verarmung in sich trägt. Sobald die wichtigsten Merkmale der Rasse fixiert sind (also die Welpen so aussehen wie ihre Eltern) muss man den Inzuchtsgrad so gering wie möglich halten um die Vitalität und Gesundheit der Rassehunde nicht aufs Spiel zu setzen.



...Heterosis

Das ist etwas ganz Tolles, nämlich die verbesserte Vitalität von Kreuzungsnachkommen. Der Volksmund sagt ja auch, dass Mischlinge gesünder sind, und da ist auch was dran! Wie kommt das aber nun? Ein Rassehund ist zwansläufig in vielen Merkmalen homozygot, dass heisst, er hat von seinen beiden Eltern die gleiche Veranlagung mitbekommen, er hat also viele "AA" oder "aa" Kombinationen bei seinen Allelen.
Paart er sich nun mit einem anderem Rassehund, der natürlich ebenfalls recht homozygot veranlagt ist...., dann werden die Nachkommen (nach den Mendelschen Gesetzen) sehr viele heterozygote Merkmale (also "Aa") haben und diese stehen für hohe Vitalität, Gesundheit und Leistung.


Logischerweise setzt sich der Heterosiseffekt aber nicht in den Nachfolgegenerationen fort, da nun das erhöhte Mass an Heterozygotie zu einer breiteren Streuung führt, es werden also in weiteren Generationen recht unterschiedliche Welpen geboren werden.



Möchte man einen Heterosiseffekt erwirken, muss man also immer wieder aufs neue ziemlich reinerbige Tiere miteinander kreuzen. Das müssen aber nicht unbedingt Hunde verschiedener Rassen sein, sondern man kann auch verschiedene Linien in derselben Rasse miteinander kreuzen um einen Heterosiseffekt zu erzielen.

...Inzuchtdepression

Eigentlich das Gegenteil von Heterosis, also die negativen Folgen von Inzucht, wie zum Beispiel Schwächung der Lebenskraft. Tierarten oder Rassen, die unter starker Inzuchtdepression leiden, sind vom Aussterben bedroht.

...der Inzuchtkoeffizient

Der Inzuchtkoeffizient (IK oder auch F) ist der Grad der Inzucht eines Tieres oder eines Wurfes.
Man kann ihn sich einfach errechnen (siehe Berechnung des Inzuchtsfaktors) wenn man die Ahnen der Hunde kennt, aber es gibt inzwischen auch sehr gute Computerprogramme, die diese Arbeit in Sekundenschnelle für uns übernehmen (z.B. Dogbase).



...der Homogenitätskoeffizient

Dieses Wort taucht immer wieder auf Ahnentafeln auf und sagt auch was über den Verwandtschaftsgrad zweier Hunde aus. Genau genommen ist es so eine Art „mittlerer Inzuchtskoeffizient der beiden Eltern“. Man erhält ihn, in dem man den Inzuchtkoeffizienten des Vaters und den Inzuchtkoeffizienten der Mutter zusammenzählt und diesen Wert dann durch 2 teilt.



... der Zuchtwert

Der Zuchtwert ist immer eine geschätzte Zahl, die ausdrückt, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Tier eine bestimmte Eigenschaft vererbt. Man kann natürlich den Zuchtwert sowohl für positive Eigenschaften als auch für negative Eigenschaften ausrechnen.

Bei den Entlebuchern benutzt man den Zuchtwert, um die Wahrscheinlichkeit für Hüftdysplasie vorhersagen zu können.

Zum Berechnen benutzt man die Untersuchungs-Ergebnissen von verwandten Tieren, bestenfalls sogar schon vorhandene Resultate des betreffenden Tieres selbst.

Dabei wird der Rassendurchschnitt mit einem Zuchtwert von 100 für dieses eine bestimmte Merkmal eingesetzt. Ein Wert unter 100 bedeutet also, dass dieses Tier Gene mit reduzierender Wirkung auf das jeweilige Merkmal hat. Ist der angegebene Wert grösser als 100 besitzt der Hund Gene, die eine verstärkende Wirkung haben.



Wenn er die Zuchtwertschätzung nutzt, muss sich also kein Züchter mehr dem Vorwurf aussetzen, unseriös zu züchten, wenn er einen HD C Hund zur Zucht einsetzt. Wichtig dabei ist allerdings, dass er darauf achtet, dass die geplante Paarung einen Zuchtwert für die Welpen von höchstens 100 prognostiziert (Zuchtwert Vater plus Zuchtwert Mutter geteilt durch 2). Je tiefer sich der für ein bestimmtes Merkmal berechnete Zuchtwert darstellt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei den Nachkommen nicht mit schlechten Ergebnissen gerechnet werden muss. Einzelfälle sind allerdings nicht ausgeschlossen.



Der Einsatz der Zuchtwertschätzung bietet den grossen Vorteil, dass auch Tiere mit einem unterdurchschnittlichen Eigenwert, die in anderen Punkten jedoch sehr erwünschte Eigenschaften aufweisen, zur Zucht verwendet werden können. In diesem Fall wird ein Partner ausgewählt, der bei dem fraglichen Merkmal ein überdurchschnittlich guter Vererber ist. Soll beispielsweise eine Hündin mit Zuchtwert 110 zur Zucht eingesetzt werden, wählt man einen Rüden, dessen Wert 90 oder kleiner ist. Die effektiven Eigenwerte der beiden Partner spielen also keine Rolle mehr. Sie sind ja bereits in den beiden Zuchtwerten enthalten.