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Ektopische Ureteren


Zu diesem Thema gibt es hier eine kurze und eine ausführliche Fassung. Erstere zur knappen Information und zweitere für Leser, die sich vielleicht gemeinsam mit uns Gedanken zu den Hintergründen machen:

1. Definition

Der gesunde Hund hat 2 Nieren, und von jeder Niere führt je ein kleiner Schlauch, die Harnleiter, zur Blase. Diese beiden Harnleiter müssen an einer ganz bestimmten Stelle in die Blase münden, damit der Urin optimal in die Blase abläuft, ohne dass es zu Rückstau kommen kann.

Münden die Harnleiter an einer falschen Stelle in die Blase, oder münden sie gar überhaupt nicht in die Blase sondern in ein anderes Organ, hat der Hund „EU“ oder „ektopische Ureteren“, was soviel bedeutet wie „falsch mündende Harnleiter“.


2. Bedeutung für die Rasse

In den letzten Jahren gibt es auch bei den Entlebucher Sennenhunden die Abweichung "ektopische Ureteren".
Man vermutet aber, dass es sich hier nicht etwa um eine "neue Krankheit" handelt, sondern um eine anatomische Anormalität, die schon sehr, sehr lange in unserer Rasse schlummert. Da sie auch bei den Appenzellern vorkommt, war sie vielleicht schon da, bevor zwischen diesen beiden Sennenhundrassen unterschieden wurde. Allerdings erkannte man sie ohne die heutigen modernen Untersuchungsmethoden meist nicht als Ureterektopie; wenn Hunde erkrankten oder frühzeitig starben, hiess es dann einfach nur "Nierenleiden".
Heute hingegen sind wir in der Lage diese Abweichung eindeutig zu erkennen. Man hofft sogar einen Schnelltest entwickeln zu können, der betroffene Hunde identifiziert, ohne dass sie sich der Untersuchung unterziehen müssen. Dies ist besonders wichtig, denn wenn wir diese Abweichung wieder aus der Rasse hinausdrängen wollen, dann sollten nie mehr zwei betroffene Hunde miteinander gekreuzt werden.

Es ist also sehr leicht zu verstehen, wie wichtig es ist, dass wir sozusagen den "EU-Zustand" aller unserer Zuchthunde kennen! Um das zu erreichen müssen sie an der Untersuchung teilnehmen, die im Moment in Zürich, Hannover, München und Wien (Universitätstierkliniken) sehr günstig angeboten wird. Die Untersuchung dient aber nicht nur zukünftigen Generationen, auch für den Hund selbst kann sie lebenswichtig sein! Sollte bei ihm nämlich eine starke oder gar lebensbedrohliche Anormalität festgestellt werden, kann sie bei Früherkennung meist sehr gut behandelt oder operiert werden.

Auch Hunde, die nicht in der Zucht sind, können aus dem obengenannten Grund an den Untersuchungen teilnehmen. Auch ihre Ergebnisse sind wichtig für die Forschung und werden bei der Entwicklung eines Schnelltestes helfen.

Information und Anmeldung zur Untersuchung unter:

PD Dr. med. vet. I.M. Reichler
Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich
Winterthurerstr.260
CH-8057 Zürich
Tel: +41 44 635 82 66
Fax:+41 44 635 89 40
ireichler@vetclinics.uzh.ch

(Alle Daten (und Ergebnisse) werden natürlich vertraulich behandelt!)


3. Erklärungen

Die Zuchtverantwortlichen der Entlebucher Sennenhunde bemühen sich mit viel Erfolg diese Rasse gesund und robust zu halten. Sie haben schon aus diesem Grunde ein grosses Interesse daran, dass möglichst bald ein Test entwickelt wird, der ihnen angibt, welche Tiere genau von EU betroffen sind, so dass sie bei der Selektion gezielter vorgehen können.

So ein Test muss aber erst noch entwickelt werden; die Arbeit dazu ist inzwischen sehr gut angelaufen. Wie und ob überhaupt EU vererbt wird, muss zu allererst erforscht werden, durch die laufenden EU-Untersuchungen werden die nötigen Daten dazu gesammelt.

Wir befinden uns also in einer Übergangsphase, allerdings haben die Untersuchungen schon erste Erkenntnisse zu Tage gefördert. So ist deutlich geworden, dass man in einer so kleinen Zuchtpopulation wie sie beim Entlebucher gegeben ist, möglichst keine Tiere ausschliessen sollte. Natürlich wird grundsätzlich nicht mit kranken Tieren gezüchtet, aber Hunde mit geringen Abweichungen dürfen in der Zucht bleiben, wenn man sie nur mit Paarungpartnern zusammenbringt, die EU-frei sind. Aller Voraussicht nach werden sie so nicht zur grösseren Verbreitung von EU beitragen, können aber ihre guten Gene und ihre guten Eigenschaften an die nächste Generationen weitergeben.

Zur Vertiefung dieses Themas folgt hier ein Artikel mit detaillierten Angaben zur Pathologie und zur möglichen Vererbung der anatomischen Abweichung "ektopische Ureteren"!


Und hier nun die ausführlichere Fassung:

Frau PD Dr. med. vet. Iris M. Reichler von der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich, befasst sich schon seit Jahren mit dieser Krankheit und ist eine anerkannte Fachfrau. Sie und ihr Team haben eine Methode zur Erkennung von EU unter standardisierten Bedingungen entwickelt. Ihre Forschung konzentriert sich im Moment auf das das Vorkommen von EU beim Entlebucher und beim Appenzeller Sennenhund. Niemand kann besser erklären, was genau EU eigentlich ist:

Frau Dr. Reichler über Ektopische Harnleiter (Ureterektopie):
Beim gesunden Hund wird der Harn, der ununterbrochen in der Niere produziert wird, durch die beiden Harnleiter, die Ureteren, zur Harnblase transportiert. Die Harnleiter verlaufen über eine kurze Distanz innerhalb der Blasenwand und münden dann in die Harnblase. Die Harnblase ist das Harnspeicherorgan. Sie besitzt an ihrem Ausgang einen Verschluss-Mechanismus, einen Sphinkter. In der Füllungsphase der Harnblase ist dieser Sphinkter verschlossen, der Harn sammelt sich und die Harnblase dehnt sich langsam aus. Ist die Harnblase voll, so ist die Dehnung so stark, dass Harndrang auftritt. Der Hund sucht sich einen geeigneten Platz zum Pinkeln.
Beim Pinkeln wird diese Verschlusseinrichtung bewusst geöffnet, der Sphinkter wird entspannt, die Harnblase entleert sich und der Harn fließt über die Harnröhre ab.

Die Ureterektopie ist eine angeborene Erkrankung. Als eine Ektopie (aus dem Griechischen „ausser Ort“) bezeichnet man in der Medizin eine Störung in der Entwicklung des Embryos oder des Fetus, bei der sich Gewebe oder ganze Organe an einem falschen Ort ansiedeln. Ein Harnleiter wird als ektopisch bezeichnet, wenn er nicht an der richtigen Stelle in die Harnblase sondern erst weiter hinten, z.B. direkt in die Harnröhre mündet. Bei Rüden können ektopische Harnleiter auch in den Samenleiter oder den Ausführungsgang der Prostata münden, bei der Hündin auch in die Gebärmutter oder in die Scheide.

Ektopische Harnleiter treten bei bestimmten Hunderassen wie z.B. Retrievern, Pudeln, Sibirische Huskies und einigen Terrierarten gehäuft auf. In letzter Zeit wurden auch Fälle beim Entlebucher Sennenhund diagnostiziert. Tritt eine Erkrankung in einzelnen Rassegruppen gehäuft auf, dann wird eine genetische Veranlagung vermutet, in keiner der betroffenen Rassen wurde jedoch bisher der Vererbungsmodus geklärt.

Hunde mit ektopischen Ureteren werden meist wegen ständigen Harnträufeln vorgestellt. Dieser unwillkürliche Harnabgang wird als Harninkontinenz bezeichnet. Inkontinenz tritt auf, wenn die Mündung der Harnleiter hinter der Verschlusseinrichtung der Harnblase und/oder Harnröhre verlagert ist, da der Harnabfluss dann nicht mehr bewusst verhindert werden kann. Bei Hündinnen tritt dieser unkontrollierbare Harnabgang bereits im Welpenalter auf. Rüden mit ektopischen Harnleitern sind häufig im Welpenalter unauffällig, da beim Rüden ein grosser Teil der Harnröhre als Verschlusseinrichtung der Harnblase fungiert. Mit zunehmendem Alter oder nach Kastration verliert die Verschlusseinrichtung jedoch an Kraft, daher werden Rüden mit ektopischen Ureteren häufig erst nach Kastration oder im fortgeschrittenen Alter inkontinent.

Ein Teil der Hunde mit ektopischen Ureteren haben zudem neben der angeborenen Fehlmündung des Harnleiters gleichzeitig auch noch eine angeborene Schwäche des Harnblasenverschluss- mechanismus, die ebenfalls zur Inkontinenz führt.

Ektopische Ureteren führen jedoch nicht nur zu Inkontinenz sondern begünstigen auch das Angehen von Blasen- und Nierenbeckenentzündungen. Zudem besteht häufig eine
Abflussstörung, da der Urin bei ektopischen Ureteren nicht wie gewöhnlich in das Sammelorgan Harnblase abfliessen kann, sondern in andere Strukturen eingeleitet wird, die sich weniger gut ausdehnen können. Diese Harnabflussstörung kann zu Rückstau im Harnleiter und in der Niere führen, in der Folge weiten sich Harnleiter und Nieren (dilatierter Ureter, Hydronephrose oder Wasserniere).

Besteht ein Verdacht auf ektopische Ureteren so werden mittels Ultraschall oder bei Hündinnen auch mittels Harnblasenspiegelung die Öffnungen der Harnleiter dargestellt.
Ebenfalls geeignet ist die Ausscheidungsurographie , dies ist eine Form der Röntgendarstellung der Nieren, der Harnleiter und der Harnblase, bei welcher nach der Injektion eines Kontrastmittels in eine periphere Vene der Weg des Harnabfluss auf dem Röntgenbild deutlich sichtbar wird.

Entsprechend dem Verlauf des falsch mündenden Harnleiters unterscheidet man zwei verschiedene Formen der Ureterektopie: Extramurale (ausserhalb der Wand) und intramurale (in der Wand) ektopische Ureteren. Extramural bedeutet, dass der Harnleiter komplett an der Blase vorbei nach hinten läuft. Intramurale ektopische Ureteren kontaktieren zwar die Blase an der richtigen Stelle, der Harnleiter öffnet sich jedoch nicht in die Blase sondern läuft in der Blasenwand weiter nach hinten und öffnet sich erst in der Harnröhre.
Die Behandlung ektopischer Ureteren erfolgt chirurgisch. Die Operation erfordert eine Allgemeinanästhesie, die Bauchhöhle und die Harnblase werden bei dem auf dem Rücken liegenden Hund eröffnet. Bei intramural verlaufenden Ureteren wird an der Stelle, wo der Harnleiter die Blase kontaktiert eine neue Mündungsstelle in die Blase geschaffen. Der hintere Teil des Harnleiters, der in der Blasenwand nach hinten läuft wird teilweise entfernt und die Blasenschleimhaut darüber verschlossen. Bei extramural verlaufenen Harnleitern wird der Harnleiter im Bereich der Harnröhre durchtrennt, das hintere Ende wird verschlossen und das vordere Ende in die Blase eingesetzt. Hierzu wird an der Stelle, wo beim gesunden Hund der Harnleiter münden würde eine Öffnung in die Blasenwand gemacht und der Harnleiter in die Blase eingenäht. Anschließend wird die eröffnete Blase und die Bauchhöhle wieder verschlossen.

Bei den Hunden, die nicht nur falsch mündende Harnleiter sondern auch noch eine angeborene Verschlussmechanismus- schwäche haben, ist neben der chirurgischen Korrektur der Harnleitermündungen auch noch die Behandlung dieser Verschlussschwäche nötig. Dies ist durch Medikamente, die täglich verabreicht werden und den Harnröhrenverschlussdruck erhöhen möglich. Führt auch diese Behandlung nicht zur Kontinenz, so kann während einer Harnröhrenspiegelung Kollagen unter die Harnröhrenschleimhaut gespritzt werden. Kollagen wird beim Menschen in der Schönheitschirurgie zur Faltenunterspritzung eingesetzt, es hat einen Polstereffekt. Wird es Hunden, deren Verschlussmechanismus der Blase ungenügend ist, unter die Harnröhrenschleimhaut gespritzt, so erzielt man damit einen besseren Verschlussdruck der Harnröhre, 75% der Hunde werden kontinent.
Nach der chirurgischen Korrektur werden 72% der Hunde kontinent, d.h. sie verlieren keinen Harn mehr, nach einer zusätzlichen Behandlung der Schwäche des Verschlussmechanismus ist eine Kontinenzrate von 80% zu erwarten.


EU und Entlebucher

Wie wir soeben vernommen haben, findet man in letzter Zeit auch Entlebucher Sennenhunde mit der Abweichung "ektopische Ureteren". Zunächst hat uns diese Meldung sehr erschreckt, bemühen sich doch die Verbände und die Züchter mit allen Kräften und viel Erfolg die Rasse weiterhin so wunderbar robust und gesund zu halten.

Nach den ersten Abklärungen wird aber deutlich, dass wir es hier mit einem Phänomen zu tun haben, auf das die Zuchtverantwortlichen in der Vergangenheit kaum Einfluss nehmen konnten.
In der heutigen Zeit ändert sich das jedoch, da wir nun über neue Forschungs- und Diagnosemöglichkeiten verfügen.

Kleine Abweichungen im Verlauf der Harnleiter hat es wahrscheinlich bei vielen Hunden, bei vielen Rassen und auch bei den Sennenhunden schon sehr, sehr lange gegeben. Nun ist es aber so, dass manche Abweichungen sich von Generation zu Generation fast unmerklich verstärken können (was genetisch leicht zu erklären ist, siehe Erklärungen). Und dann sind es auf einmal nicht mehr nur kleine Verschiebungen in der Anatomie, die niemanden stören oder krank machen, sondern dann kommt es zu ersten Auffälligkeiten, wie zum Beispiel zum Befund des "Tröpfelns", der verdickten Harnleiter oder gar der Wasserniere und des Nierenversagens. Auch das kennt man von vielen rassereinen und nicht rassereinen Hunden, und bisher konnte man sich oft nur mit vagen Erklärungen der Ursache helfen.

Inzwischen aber ist die Tiermedizin einen grossen Schritt nach vorne gegangen und ermöglicht es uns Hunde mit dieser Abweichung eindeutig zu erkennen und zu behandeln.
Ausserdem gibt es jetzt in der Genforschung erstmals Hoffnung die verantwortlichen Gene zu lokalisieren, so dass man vielleicht eines Tages die Veranlagung für EU mit einer einfachen Blutprobe nachweisen kann.

Die Rasse der Entlebucher Sennenhunde gilt nach wie vor als sehr robust. Die Zuchtverantwortlichen unternehmen im Hintergrund alles Mögliche um immer weiter genetisch gesunde, starke und wesensfeste Nachkommen zu erhalten.

In diesem Zusammenhang muss auch ihr Interesse an der EU-Forschung gesehen werden. In einer Rasse mit relativ wenigen Zuchttieren ist es nicht immer leicht Hunde mit unterschiedlichen Veranlagungen zu verpaaren.

Würden nämlich 2 Hunde zusammentreffen, die beide die Veranlagung zu ektopischen Ureteren in sich tragen, so wäre die Chance, dass in zukünftigen Generationen Krankheitsbilder auftreten, sehr viel grösser.
Wenn aber ein Hund mit krankhafter Veranlagung auf einen völlig gesunden Hund trifft, so ist die Chance, dass bei den Nachkommen die gesunden Gene die Überhand nehmen sehr gross, die Nachkommen bleiben also gesund.

Hier wird die Bedeutung der EU-Forschung für den Entlebucher Sennenhund deutlich. Da die Situation beim Appenzeller Sennenhund ähnlich ist, hat die Universität Zürich beide Rassen zu einem Forschungsprojekt zusammengefasst. Nach ihrer Methode werden inzwischen auch in Deutschland und Österreich Daten gesammelt, die Niederlande und Belgien werden bald hinzukommen.

Im Rahmen dieses Forschungprojektes haben Entlebucherbesitzer die Möglichkeit ihren Hund zu einem sehr günstigen Preis untersuchen zu lassen (siehe unten).

Für die Zucht ist es wichtig, dass so viel wie möglich Zuchttiere untersucht werden, damit in Zukunft nur noch Paarungen stattfinden, die die Chance auf ein Auftreten von EU verringern.

Für die Genforschung und die Entwicklung eines eventuellen Bluttestes ist es wichtig, dass so viele Entlebucher (deren Ahnen bekannt sind) wie nur möglich an dem Test teilnehmen! Auch Tiere, mit denen nicht gezüchtet wird. Jeder ist also aufgerufen einen Forschungsbeitrag zu leisten!

Information und Anmeldung zur Untersuchung unter:

PD Dr. med. vet. I.M. Reichler
Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich
Winterthurerstr.260
CH-8057 Zürich
Tel: +41 44 635 82 66
Fax:+41 44 635 89 40
ireichler@vetclinics.uzh.ch

(Alle Daten (und Ergebnisse) werden natürlich vertraulich behandelt!)


Erfahrungsbericht

Es kamen mehrere Sachen zusammen:

- Zum ersten ist bei uns ein grosses Interesse für die Rasse der Entlebucher vorhanden, gepaart mit einer Faszination für Tiergenetik.

- Dann die Tatsache, dass Happys Mutter 9-jährig an einem undefiniertem Nierenleiden gestorben ist. Da ist es doch wichtig zu wissen, ob Happys Nieren jetzt mit 7 Jahren noch gesund sind!! Und wie es bei ihr aussieht mit den Harnleitern, vielleicht kamen die Altersbeschwerden ihrer Mutter ja daher?

- Die gute Gelegenheit, es mit unserer Hundefreundin Nora gemeinsam zu tun, sie wollte sich nämlich auch untersuchen lassen.

- Und natürlich die Bereitschaft uns zur Verfügung zu stellen, wenn Entlebucher für eine so sinnvolle Untersuchung gebraucht werden.

Jedenfalls haben wir beschlossen mit Happy nach Zürich zu reisen und sie dort auf EU untersuchen zu lassen. Daraufhin haben wir die Telefonnummer vom Institut in Zürich gewählt und sofort Frau Dr. Reichler persönlich am Apparat gehabt, die uns sehr freundlich Auskunft und schliesslich unseren Termin gab. Der Hund sollte an dem Tag nüchtern zur Klinik kommen, durfte aber Wasser trinken.

Wir machten uns also gemeinsam mit Nora (die aus Holland angereist war) auf den Weg. Erst ein bisschen "Sightseeing" in Zürich, ein guter Kaffee in der feinen Confiserie Sprüngli, wo unsere Hunde herzlich willkommen waren ;-)) und dann bergauf zur Tierklinik.

Wir mussten ein Formular ausfüllen, die Stammbäume vorlegen und durften dann durch einen schmalen Gang in die Untersuchungsräume. Zunächst wurde festgestellt, dass unsere Hunde in einer sehr guten Allgemeinverfassung waren, dann wurde jeder Hündin ein kleiner Venenkatheter in den linken Vorderlauf gelegt. Der wurde aber sofort mit einer Binde verdeckt, so dass die Hunde sich weiterhin gut bewegen konnten. Andere Hunde brauchten oft ein Beruhigungsmittel, wurde uns erklärt, aber die Erfahrung mit Entlebuchern hatte gezeigt, dass diese das entweder gar nicht oder nur in einer sehr schwachen Dosis brauchten, da sie die Untersuchungen meist sehr willig mitmachten. Wir entschieden uns beide für die sehr schwache Dosis (Noras Frauchen hat ein paar Fotos von den Untersuchungen gemacht; sie sind auf "HP-Nora" - Onderzoek-EU zu sehen).

Danach mussten wir ein bisschen warten, denn unsere beiden Hunden hatten (leider!!) draussen im Klinikgarten noch mal ausführlich Pipi gemacht, so dass ihre Blasen jetzt zu leer waren für die Untersuchung! Durch die Venenkatheter tropfte aber unermüdlich Flüssigkeit in die Tiere, bald müsste der innerliche Harnfluss zu verfolgen sein. Nora kam dann zuerst dran im Kellerraum der Uni, Happy bekam eine weiche Decke vor die Tür gelegt, so dass sie entspannt warten konnte (es kamen dauernd Studenten und junge Tierärzte vorbei, die sie ausführlich streichelten, das hat ihr gut gefallen!). Eine zeitlang ist Frau Dr. Reichler auch bei Happy geblieben, so dass ich mal zu Nora hineingehen und die Untersuchung kennenlernen konnte. Nora lag auf dem Rücken in einer weichen Schale, wurde von Herrchen unterm Kinn gekrault und bekam von der Röntgenärztin den unteren Teil von ihrem Bäuchlein rasiert. Danach konnte man auf dem Bildschirm erkennen, dass das Ultraschallgerät ihre harnabführenden Organe deutlich machte. Das Bild war auch für Laien verständlich, zumal uns geduldig jeder einzelne Schritt erklärt wurde.

Gleich nach Nora kam Happy an die Reihe. Auf dem anderen Tisch im Saal wurde gerade eine Katze ultra-beschallt, da hatte Happy ganz schön was zu schauen, ich brauchte sie gar nicht abzulenken! Zuerst wurden mir Happys Nieren gezeigt. Wunderschön geformt und mit Sicherheit kerngesund! Na bitte! Da hatte sich die Untersuchung ja schon mal gelohnt!!

Mir wurde erklärt : wenn ein Hund richtig erkrankt ist an EU, dann würde der Harn in Richtung Niere zurückgestaut und dadurch würden die Nieren vergrössert und ganz schwabbelig. Ein erfahrener Röntgologe sieht also schon beim Anblick der Nieren auf dem Ultraschallbild, ob der Hund eine schwere Form von EU hat oder nicht. Zum Glück also war das bei Happy schon mal ausgeschlossen. Die Harnleiter oder Ureteren, die danach gut sichtbar waren, hatten auch die perfekte schmale Form.

Happy schaute vergnügt aus ihrer Untersuchungsschale, als sie das hörte, was das ganze Team zum Lachen brachte! Ansonsten schien sie sehr konzentriert darauf bedacht alles richtig zu machen und lag ganz ruhig da.

Die Mündung der Ureteren in die Blase war nicht so gut zu sehen. Die Ärztin vermutete, dass sie auf einem langen Stück mit der Blasenwand verwachsen sind (sie laufen intramural) und konnte mir das schliesslich auch auf dem Bildschirm zeigen. Dann sahen wir auch den Harn in die Blase laufen. Man sieht ihn wie kleine rote Springbrunnen auf dem sonst schwarz-weissen Bild. Wirklich interessant. Und ausserdem der Beweis, dass Happys Ureteren beide in die Blase münden. Sie befinden sich aber nicht genau an der richtigen Stelle (sondern etwas weiter hinten in Richtung Blasenhals). Fazit: Happy hat eine leichte Form von EU, wird aber selbst nie daran klinisch erkranken. Wenn sie in der Zucht wäre, dürfte mit ihr gezüchtet werden, sie sollte dann aber nur mit EU-freien Rüden verpaart werden.

Wieder oben im Behandlungsraum, sagte uns Frau Dr. Reichler, dass es bei beiden Hunden angebracht wäre jetzt ein CT anzuschliessen, weil sie dann ein noch klareres Ergebnis haben würde. Bei Nora war das schnell beschlossen, denn sie ist eine Zuchthündin, ihre Besitzer wollten natürlich sicher sein, dass sie weiterhin absolut zuchttauglich ist (was sich dann auch herausstellte).

Ich hatte aber genug gesehen und erfahren und wollte Happy nicht mehr zumuten, da sie ja nicht in der Zucht und ihr Ergebnis dann auch vielleicht nicht so wichtig ist.
Frau Dr. Reichler erklärte uns daraufhin sehr genau mit einer Zeichnung, was ich sonst wahrscheinlich auf dem CT-Bild gesehen hätte:


Frau Dr. Reichler sagte dann noch, dass gesunde Ureteren die Form von Bischofsstäben haben, sie haken sich regelrecht in die Blase ein und führen den Urin nach vorne (also in Richtung Hundekopf) ab. Bei Happy fehlt diese Kurve an den Harnleitern; sie münden gerade in die Blase, spritzen dadurch aber den Urin nach hinten (Richtung Hundeschwanz).  
Wir waren besonders dankbar für die Zeit, die sie sich für uns genommen hatte und die ausführlichen Erklärungen, die wir erhalten hatten. Die Hunde wollten nun deutlich wieder an die frische Luft, und wir hatten ja auch noch eine weite Fahrstrecke vor uns. Kurze Zeit später bekamen wir folgenden kurzen Bericht von der Tierklinik: 



Erklärung und Schlussfolgerung

In Zürich wurde uns immer wieder gesagt, dass man sich in Sachen EU im Moment noch in einer frühen Phase befindet: in der Phase der Datensammlung.

Gerade deshalb ist es so wichtig, dass viele Hunde am Forschungsprojekt teilnehmen; umso mehr Entlebucher erfasst sind, umso mehr Daten sind vorhanden, die zu einem konkreten Ergebnis führen. Es wird uns nicht nur zeigen, wie die Situation im Moment in unserer Rasse ist, sondern auch welche Massnahmen zu ergreifen sind. Es wird viele Hunde vor Krankheit bewahren und im Idealfall zur Entwicklung eines Bluttestes führen, der zukünftige Generationen schützen wird.

Die Tatsache, dass einige Hunderassen mehr davon betroffen sind als andere und dass es keine regionalen Unterschiede wohl aber Häufungen in einigen Linien gibt, lässt vermuten, dass es sich bei der Ureterektopie um eine genetisch bedingte Abweichung handelt.

Über den Erbgang ist im Moment allerdings noch überhaupt nichts bekannt. Man kann nur Vermutungen anstellen, die auf den Befunden beruhen, die man inzwischen bei den untersuchten Hunden erhalten hat. Verfolgt man deren Linien und Verwandtschaftsgrade, so kann man bereits erkennen, dass es sich nicht um ein Merkmal handeln kann, dass nur mit einem Gen vererbt wird.

Es wird sich also wahrscheinlich auch hier um eine Abweichung handeln, die durch mehrere Gene verursacht wird: eine Abweichung mit polygener Vererbung (ähnlich wie auch HD).

Das würde auch erklären, weshalb es so lange gebraucht hat, bis EU überhaupt zu einem Thema geworden ist. Trägt ein Tier diese krankmachenden Gene in sich, ist in einer gesunden Population die Chance sehr klein, dass es bei der Paarung auf ein Tier trifft, dass ebenfalls diese schlechten Gene hat. Die Chance ist viel grösser, dass der Partner an dieser Stelle gesunde Gene trägt, und bei den Nachkommen werden die gesunden Gene die krankmachenden Gene übertrumpfen.

Erst wenn unsere in der Hundezucht leider übliche Inzucht ins Spiel kommt, wird es gefährlich! Dann nämlich kommen Paarungspartner zusammen, die mit ziemlicher Sicherheit einige gleiche Gene in sich tragen, da sie ja von gleichen Ahnen abstammen.

Jetzt können also Hunde, die diese krankmachenden Gene an ihre Nachkommen weitergeben auf Hunde treffen, die ebenfalls diese krankmachende Gene haben. Diese werden sich addieren. Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass die Nachkommen bereits eine feststellbare Abweichung haben, meist muss erst eine gewisse Menge an diesen krankmachenden Genen vorhanden sein, damit die Krankheit ausbrechen kann (und das kann viele Jahre oder viele Generationen dauern!).
Man nennt das den Schwellenwert.

Das mit dem Schwellenwert muss man sich so vorstellen:
Für die polygenen Merkmale hat jeder Hund Gene in sich. Gesunde und/oder krankmachende.
Hier wollen wir uns mal nur die Gene für die ektopischen Ureteren anschauen.

Wir stellen uns also vor, der Hund habe einen „kleinen Becher“ für die Gene von EU in sich. Bei seiner Entstehung geben sowohl Vater als auch Mutter Gene aus ihren „EU-Gene-Bechern“ in diesen Becher hinein. Auf diesem Becher ist ein dicker roter Strich eingezeichnet. Das ist der Schwellenwert. Hat unser Hund nun so viele krankmachende Gene für EU erhalten, dass dieser Schwellenwert überschritten ist, dann wird dieser Hund die Krankheit bekommen. Hat er aber hauptsächlich gesunde Gene geerbt und nur so wenige krankmachende, dass der Schwellenwert nicht überschritten worden ist, dann bleibt unser Hund gesund.

Hier ein Beispiel! Der Einfachheit halber sind nur die krankmachenden Gene eingezeichnet:



Vater- und Mutterhund haben hier in diesem Beispiel beide EU-verursachende Gene in sich, aber eben nicht genug, dass der Schwellenwert überschritten ist. Beide Hunde sind also nach aussen hin gesund.

Die Verteilung ihrer Gene geschieht zufällig, einige Welpen werden nur so wenige der krankmachenden Gene erhalten, dass auch sie nach aussen hin völlig gesund sind (Welpe 2, 3 und 5). Andere hingegen werden so viele von diesen Genen von ihren Eltern bekommen, dass in ihren „Bechern“ der Schwellenwert überschritten wird (Welpe 1 und 4)! Diese Welpen sind sichtbar krank, was bei den Hündinnen oft schon im Welpenalter fatal ist, bei den Rüden hingegen meist erst bei der Ultraschall-Untersuchung ans Tageslicht kommt.

Aber nochmals: erstens ist der Vererbungsweg von EU noch nicht geklärt!!! Nach unseren bisherigen Erkenntnissen wäre es nur sehr, sehr gut möglich, dass EU so polygen vererbt wird. Und zweitens ist das natürlich nur eine sehr vereinfachte Darstellung!

Und es gibt noch mehr Vermutungen.... Vermutet wird nämlich, dass die Sennenhunde diese Abweichung schon sehr, sehr lange und ohne äusseren Schaden in sich tragen! So wäre nämlich zu erklären, warum sie heute bei Appenzeller und Entlebucher Sennenhunden gleichzeitig zum Vorschein tritt; früher wurde zwischen diesen Rassen praktisch nicht unterschieden.

Was ist also nun zu tun? Unsere Hunde müssen zwecks Datenerhebung untersucht werden, das wurde bereits gesagt. Ausserdem ist die Untersuchung sinnvoll, wenn der Hund Anzeichen ("Tröpfeln", Nierenleiden) zeigt, oder aber wenn man die Krankheit bei seinem Hund ausschliessen können möchte. Sollte der Hund tatsächlich ein Leiden haben, ist es natürlich immer besser möglichst früh davon zu wissen um mit einer Behandlung anzufangen.

Bei diesen Untersuchungen kristallisiert sich bereits jetzt heraus, dass es 3 Arten von anatomischen Ergebnissen gibt:

1. die Harnleiter münden an der anatomisch völlig normalen Stelle in die Blase, der Hund ist gesund. Nennen wir diesen Befund "EU-frei".

2. die Harnleiter münden in den Blasenhals (wie bei Happy), der Hund wird voraussichtlich nicht erkranken, er hat aber trotzdem EU. Nennen wir diesen Befund "EU-leicht".

3. Ein oder beide Harnleiter münden ausserhalb der Blase. Im günstigsten Fall "tröpfelt" der Hund, ansonsten kann es zu schweren Nierenproblemen kommen. Nennen wir diesen Befund "EU-schwer".

Die Zuchtverantwortlichen unserer Entlebucher Sennenhunde haben nun die sehr schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe mit diesen neuen Erkenntnissen umzugehen.

In der Schweiz gibt es nicht sehr viele Zuchttiere, und in einer so kleinen Population wäre es immer falsch, Tiere kategorisch auszuschliessen. So hat unser Klub nun erst einmal beschlossen mit augenscheinlich gesunden Tieren weiter zu züchten (das sind also EU-freie und EU-leicht befundete Hunde), was also einfach einer Fortführung der Situation entspricht, da wir ja allen Anschein nach diese Abweichung schon jahrzehntelang und ohne weitere Schäden in unserer Rasse haben. Natürlich läd der Klub seine Mitglieder und vor allem die Züchter ein, an der Untersuchung in Zürich zu einem sehr günstigen Preis teilzunehmen. Das Projekt an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich geht jetzt zunächst einmal bis zum August 2011; danach (oder vielleicht auch schon währenddessen) werden neue Erkenntnisse neue Massnahmen erfordern.
In Österreich ist die Situation ähnlich, hier werden die Untersuchungen von der Universität in Wien angeboten.

In Deutschland, wo es eine relativ grosse Zuchtpopulation gibt, wurde zunächst einmal sehr streng selektiert, als EU beim Entlebucher Sennenhund bekannt wurde. Dies führte sehr schnell dazu, dass praktisch alle Züchter ihre Hunde untersuchen liessen um weiterhin zur Zucht zugelassen zu werden. Die tierärztlichen Fakultäten der Universitäten Hannover und München führen diese Untersuchungen in enger Zusammenarbeit mit der Projektleiterin Frau Dr. Reichler in Zürich durch. (Info geben die Seiten des SSV).
Inzwischen hat sich die Lage relativiert. Zur Zucht zugelassen sind EU-freie Hunde und Hunde mit den Harnleitern im Blasenhals (EU-leicht), wobei EU-leicht-Hunde nur mit EU-freien Hunden verpaart werden dürfen. Bedingung zum Züchten ist, dass die Tiere untersucht worden sind und ihr Befund eindeutig festgestellt worden ist.

In den Niederlanden und in Belgien gibt es verschiedene Rasseklubs mit verschiedenen Ansichten, aber im grossen und Ganzen folgen sie den Richtlinien von Deutschland, was auch angebracht ist, da sie durch die geografische Nähe bei der Partnerwahl gerne zusammenarbeiten. In nächster Zeit soll eine ihrer Universitäten die standardisierte Untersuchungsmethode anbieten um den Hundebesitzern unnötig lange Reisewege zu vermeiden.

Die Massnahmen der anderen Länder mit Entlebucher Sennenhundezuchten sind mir nicht bekannt; es sei aber erwähnt, dass auch diese Hunde sehr herzlich eingeladen sind an der Studie in Zürich teilzunehmen, sofern ihre Abstammung bekannt ist.

Schlussendlich möchte ich mich bei allen sehr herzlich bedanken, die mir geduldig meine Fragen zu diesem Thema beantwortet haben!

Wenn wir weiterhin gesunde und robuste Rassehunde anbieten wollen, müssen wir uns für diese Themen interessieren und so eng wie nur irgend möglich zusammenarbeiten! Wir haben neuerdings die Möglichkeit durch unsere moderne Tiermedizin und die vielen neuen Erkenntnisse in der Genetik nicht nur Probleme zu erkennen, sondern sie auch richtig anzupacken bevor sie zu einer Bedrohung werden. Das ist nicht nur wahnsinnig interessant, sondern auch ein Segen für unsere Hunde!

Stand Mai 2009